Wie wird man Pyrotechniker?
Im Internet findest du viele Informationen darüber, welchen Weg man gehen muss, um Pyrotechniker zu werden. Bei der Vorbereitung dieses Beitrags bin ich auf zahlreiche unvollständige oder sogar falsche Angaben gestoßen. Deshalb möchte ich in wenigen Worten beschreiben, was wirklich nötig ist, um die Qualifikation für den Umgang mit Explosivstoffen für zivile Zwecke zu erlangen.
Fangen wir am Anfang an. Was gehört zu den häufigsten Aufgaben eines Pyrotechnikers? Ein großer Teil der Arbeit sind natürlich Feuerwerksshows. Das reicht von kleineren Shows bei Hochzeiten bis hin zu großen, überregionalen und sogar internationalen Pyrotechnik-Festivals. Ein weiterer verbreiteter Bereich sind historische Inszenierungen, bei denen mit Panzern, Uniformen und Gewehren aus der Zeit der beiden Weltkriege nachgestellte Szenen gezeigt werden. Erwähnenswert ist außerdem die Arbeit am Filmset, wo Pyrotechniker großen Produktionen die nötige Würze verleihen.
Zur Sache: Um Pyrotechniker zu werden, musst du mehrere Voraussetzungen erfüllen. Erstens ein ausreichendes Mindestalter (üblich sind rund 21 Jahre), in der Regel mindestens ein mittlerer Schulabschluss sowie ein einwandfreier Leumund ohne Vorstrafen. Das ist keine Übertreibung, denn im Zulassungsverfahren wird die Zuverlässigkeit tatsächlich geprüft, teils sogar durch Nachfragen im persönlichen Umfeld. Wenn du also Pyrotechniker werden willst, fang am besten schon heute an, auch die griesgrämige Nachbarin freundlich zu grüßen, die sich immer beschwert hat, dass dein Hund zu laut bellt.
Zweitens, und das ist der schwierigste Teil. In der Regel wird eine mehrjährige, dokumentierte Praxis in einem Betrieb verlangt, der bereits in der Pyrotechnik-Branche tätig ist und über alle erforderlichen Genehmigungen verfügt. Wie leicht zu erraten ist, hast du diese Möglichkeit nur dann, wenn ein solcher Betrieb sein Personal aufstocken möchte. Wenn du dich selbstständig machen willst, ist es oft sehr schwer, überhaupt einen Praxisplatz zu bekommen, weil Betriebe eine spätere Konkurrenz um Kunden fürchten. Leider sieht die Realität so aus. Man muss sich sehr bemühen, um überhaupt mit der Praxis beginnen zu können.
Wenn du die Praxis absolviert hast, folgt in der Regel noch ein mehrtägiger Auffrischungskurs. Er findet nur einige Male im Jahr statt, und seine Kosten steigen kontinuierlich. Außerdem muss er in bestimmten Abständen wiederholt werden. In diesem Kurs festigst du die Regeln für den sicheren Umgang mit Explosivstoffen für zivile Zwecke. Der Kurs endet mit einer Prüfung, bei der eine Prüfungskommission offene Fragen stellt. Wer nicht besteht, kann einen neuen Termin vereinbaren und zahlt die Gebühr natürlich erneut. Also bereite dich lieber gut vor!
Wenn du in einem fremden Betrieb arbeitest, schickt dich der Arbeitgeber in der Regel zu psychiatrischen und psychologischen Untersuchungen, denn die Arbeit mit solchen Materialien setzt eine gute psychische Gesundheit voraus.
Und wenn du dich entscheidest, ein eigenes Unternehmen für Feuerwerksshows zu gründen, brauchst du zusätzlich die entsprechenden behördlichen Genehmigungen. Das ist allerdings ein recht umfangreiches Thema, das ich in einem gesonderten Blogbeitrag beschreibe.
Viele Grüße, B.K.
